Geschichte Frankreich
Geschichte vor dem 20. Jahrhundert
Das Gebiet Frankreichs ist seit etwa 90.000 Jahren von Menschen bewohnt. Die keltischen Gallier erschienen hier zwischen 1500 und 500 v. Chr., im Verlauf des jahrhundertelangen Konflikts mit Rom verloren sie das Gebiet im Jahr 52 v.Chr. an den römischen Kaiser Julius Caesar. Vom 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung an wurde die Region teilweise christianisiert. Im 5. Jahrhundert eroberten die Franken (daher "Frankreich") und andere germanische Völker die Region.
Das Mittelalter wurde durch eine Reihe von Machtkämpfen zwischen fränkischen Dynastien dominiert, wobei die Herrschaft der Kapetinger trotz der Kämpfe mit England durch Wohlstand und der wissenschaftliche Entwicklung gekennzeichnet war. Während dieser Zeit war Frankreich auch an den Kreuzzügen, einem heiligen Krieg der Kirche gegen Nicht-Christen, beteiligt. Die Kapetinger verloren im frühen 15. Jahrhundert ihre Macht während Frankreich im Hundertjährigen Krieg (1337-1453) gegen England. Die bekannteste historische Figur dieser Zeit dürfte Jeanne d'Arc sein.
Religiöse und politische Verfolgungen, die ihren Höhepunkt in den Religionskriegen (1562-98) fanden, bedrohten weiterhin die Stabilität Frankreichs während des 16. Jahrhunderts. Im Jahr 1572 wurden in Paris rund 3.000 protestantische Hugenotten getötet. Den Hugenotten wurden später allerdings religiöse, bürgerliche und politische Rechte garantiert. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde das Land von Cardinal Richelieu regiert, der eine absolute Monarchie im Land etablieren und die französische Macht in Europa ausbauen wollte.
Louis XIV (der Sonnenkönig) bestieg 1643 im Alter von fünf Jahren den Thron und regierte bis 1715. Während seiner Regierungszeit verflogte er die protestantische Minderheit, zerschlug die zerstrittene Aristokratie und schuf den ersten zentralisierten französischen Staat. Mit dem fortschreitenden 18. Jahrhundert geriet das Ancien régime (alte Ordnung) allerdings in Widerspruch mit dem Rest des Landes und wurde durch die Aufklärung und antiklerikalen Bewegungen weiter geschwächt. Frankreichs Beteiligung an dem Siebenjährigen Krieg (1756-63) und dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1776-83) war für die Monarchie finanziell ruinös und lieferte weitere Argumente für die Gegner des französischen Absolutismus.
Als der König versuchte, die Macht der reformorientierten Ökonomen zu schwächen, gingen die städtischen Massen auf die Straße. Am 14. Juli 1789, griff die Pariser Mob die Invalides an, beschlagnahmten Waffen und stürmten das Bastille-Gefängnis, das Symbol für den Despotismus des Ancien régime. Zu Beginn war die Revolution in den Händen der Gemäßigten, aber die radikalen Jakobiner unter der Leitung von Robespierre, Danton und Marat übernahmen bald die Führung. Sie etablierten im Jahr 1792 die Erste Republik und übten de facto eine diktatorische Kontrolle über das Land aus. Während ihrer Herrschaft des Terrors (1793-94), kam es zu Massenhinrichtungen und religiöser Verfolgung. Letztlich wandte sich die Revolution gegen ihre eigenen Führer und viele, einschließlich Robespierre und Danton, wurden mit der Guillotine hingerichtet.
Begünstigt durch eine Reihe von militärischen Siegen im Ausland, errang Mercurial Napoleon Bonaparte die Macht im Jahr 1799. Es folgte eine Reihe von Kriegen zwischen Frankreich und europäischen Ländern, bis Frankreich den größten Teil von Europa kontrollierte. Eine katastrophale Kampagne gegen Russland im Jahr 1812 führte zu Napoleons Untergang - er wurde auf die kleine Mittelmeer-Insel Elba verbannt. Seine Flucht und Neuinstallation als Kaiser dauerte 100 Tage, bevor er bei Waterloo von England geschlagen wurde. Die Engländer verbannten ihn auf die abgelegene Süd-Atlantik-Insel St. Helena, wo er im Jahr 1821 starb. Napoleon bleibt der Nachwelt weniger für seine seine militärischen Taten in Erinnerung, sondern eher, weil er den größten Teil der Veränderungen durch die Revolution bewahrte und den Code Napoléon schuf, der nach wie vor die Grundlage des französischen Rechtssystems ist.
Im 19. Jahrhundert war Frankreich durch unfähige Regierungen, aussichtslose Kriege und die Gründung der Dritten Republik (1870) gekennzeichnet. Die Bedeutung der Armee und die Kirche ging zurück und es kam zur Trennung von Kirche und Staat. Etwa zur gleichen Zeit beendete die Entente Cordiale die koloniale Rivalität zwischen Frankreich und Großbritannien in Afrika.
Neuere Geschichte
Frankreichs Beteiligung an Ersten Weltkrieg wurde teuer bezahlt: mehr als eine Million Soldaten wurden getötet, große Teile des Landes wurden verwüstet, die industrielle Produktion sank und der Franc wurde stark abgewertet. Die Verhältnisse im Zweiten Weltkrieg waren kaum besser: Frankreich kapitulierte vor Deutschland und die Vichy-Regierung wurde von den Deutschen eingesetzt. General Charles de Gaulle, führte die französische Exil-Regierung und organisierte die Untergrund-Widerstandsbewegung in London. Frankreich wurde Mitte 1944 durch die alliierten Streitkräfte befreit.
De Gaulle kehrte nach Paris zurück und setzte eine provisorische Regierung ein, trat allerdings 1946 als Präsident zurück. Ermutigt durch amerikanische Hilfe, wollte Frankreich die koloniale Kontrolle in Indochina erneut übernehmen, aber ihre Streitkräfte wurden 1954 durch Ho-Chi-Minh-Truppen bei Dien Bien Phu geschlagen. Frankreich versuchte auch, die algerische Unabhängigkeitsbewegung zu unterdrücken. De Gaulle kam 1958 wieder an die Macht und handelte vier Jahre später ein Ende des Krieges in Algerien aus. In der Zwischenzeit erlangten fast alle anderen französischen Kolonien in Afrika ihre Unabhängigkeit.
Im Mai 1968 brachten protestierende Studenten und streikende Arbeitnehmer das Land zum Stillstand. Als zunehmende Anarchie das Land bedrohte, erschien De Gaulle im nationalen Fernsehen und versuchte (erfolgreich) die Lage zu beruhigen. Die Regierung reformierte daraufhin das Hochschul-System und De Gaulle trat im folgenden Jahr als Präsident zurück.
Der Sozialist François Mitterand war von 1981 bis 1995 französischer Präsident. Im Mai 1995 wurde er durch Jacques Chirac abgelöst, der in den Wahlen vor den demoralisierten Sozialisten und Jean-Marie Le Pen's Anti-Einwanderer Front National (FN) als Sieger hervorging. Ab Juli 1995 kam es zu einer Reihe von Bombenanschlägen in Paris und Lyon durch Terroristen, die so gegen die französische Unterstützung der algerischen Regierung protestierten führten zu einer ausländerfeindlichen Stimmung und brachten den Rassisten der FN spürbaren Aufwind.
Chirac befürwortete die Europäische Union (EU), was seine Popularität steigerte, seine Entscheidung über die Durchführung von Atomtests auf der polynesischen Insel Mururoa Ende 1995 wurde allerdings national und international kritisiert. Frankreichs pazifische und karibische Kolonien verstärkten ihre Unabhängigkeitsbemühungen, Tahiti ist hier besonder auffällig. National führten die Kürzungen im Wohlfahrtssystem zu den größten Protesten seit 1968. Streiks über mehrere Wochen zum Ende des Jahres 1995 im gesamten öffentlichen Sektor brachten Paris zum Stillstand. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft waren so stark, dass Frankreich die Qualifikation für den Beitritt zur gemeinsamen Währung als fragwürdig ansah.
Chirac rief Anfang 1997 unter dem Vorwand der Suche nach einem Mandat für die Währungsunion vorgezogene Wahlen aus. Er rechnete nicht mit der Unbeständigkeit des französischen Wählers und seine RPR-Partei wurde von einer Regierung aus einer ungewöhnlichen Allianz zwischen den Sozialisten, Kommunisten und Grünen abgelöst. Präsident blieb aber weiterhin Chirac.
Jüngere Geschichte
Die Nation geriet mit dem Tod von Diana, Prinzessin von Wales, bei einem Autounfall in Paris im August 1997 in das internationale Medieninteresse und im Juli 1998 wurde das Land zum erstenmal Fussball-Weltmeister (im Finale 3:0 über den Favoriten Brasilien).
In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen 2002 erreichte der rassistische Demagoge Jean-Marie Le Pen von der FN 17 %. In der zweiten Runde gaben linke Wähler – die keinen eigenen Kandiaten hatten – dem "geringeren Übel" Chirac 82 % der Stimmen.
Anfang 2003 stand Frankreich wieder im Rampenlicht, als es darauf bestand, jede Resolution des UN-Sicherheitsrates zum Krieg mit dem Irak mit einem Veto zu verhindern. Die Beziehungen zwischen Frankreich und den USA kühlten sich daraufhin beträchtlich ab.
Im Mai 2005 wurde in einem nationalen Referendum die geplante Europäische Verfassung abgelehnt, was die entschlossene pro-europäische Politik der Regierung fraglich werden liess.
Im Oktober und November 2005 wurde das Land über mehrere Wochen von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Banden von Jugendlichen in ganz Frankreich erschüttert. Die Ausschreitungen wurden durch den Tod von zwei Jugendlichen nordafrikanischer Herkunft, die offenbar versuchten, sich vor der Polizei zu verstecken, ausgelöst. Die Auseinandersetzungen begannen in den armen, ethnisch vielfältigen Banlieues (Vororten) von Paris, breiteten sich aber schnell im mehrere großen Städte aus.
In den Präsidentschaftswahlen vom Mai 2007 besiegte der konservative Nicolas Sarkozy die sozialistischen Ségolène Royale deutlich. Der ehemalige Innenminister wird von Befürwortern als charismatischer, dynamischer Führer und von Gegnern als machthungriger neo-conservativer bezeichnet. Ganz oben auf seiner Prioritäten-Liste steht der Wiederaufbau der französisch-amerikanischen Beziehungen, die durch den vorbehaltlosen französischen Widerstand gegen den Irakkrieg schwer beschädigt wurden und die Neubelebung des französischen Rolle in Europa.